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Hörbuchbestände in Bibliotheken
January 6, 2008 | Tagged Bibliothekspraxis, Hörbuch, Onleihe | 4 Comments
Herbert, der im Weblog Ohrient schreibt, hat vor kurzem in einem Kommentar folgendes gefragt:
Mich würde mal ein Artikel aus dem Blickwinkel der Bibliotheken interessieren, welche Rolle dort Hörbuchanschaffungen spielen, ob das zunimmt, wie aktuell man im Angebot ist usw. Jedenfalls fällt mir bei der Kinder- und Jugendabteilung unserer Stadtbibliothek auf, dass dort noch zu 80 % Kassetten existieren und die restlichen 20 % eher eine veraltete Auswahl darstellen. Vielleicht kannst Du ja dazu mal was schreiben – wäre interessant!
Das kann ich sehr wohl. Zunächst muss ich ergänzen, dass ich beruflich in einer juristischen Fachbibliothek arbeite, aber immerhin einige Praktika in öffentlichen Bibliotheken gemacht habe. Sonst hätte ich meine Diplomarbeit nicht über Hörbücher schreiben können.
Allgemein kann man sagen, dass die Hörbuch-Bestände in öffentlichen Bibliotheken in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen sind und das breite Angebot widerspiegeln. Manche Bibliotheken schaffen noch Kassetten an, andere verzichten mittlerweile ganz darauf. Ich gehe jetzt mal davon aus, dass Hörbücher, die noch auf dem Trägermedium Kassette vorhanden sind, eben nicht so schnell entsorgt werden, wenn kein oder nur wenig Geld für neue Hörbücher auf CD vorhanden ist.
Der Anteil der AV-Medien im Vergleich zum Buchbestand ist unterschiedlich hoch. Die Preise für Hörbücher, DVDs und CD-ROMs sind in der Regel deutlich höher als bei Büchern. Man muss eigentlich nur mal nachschauen, was der neue Harry Potter, der am 11. Januar als Hörbuch erscheint, kostet. Was macht man dann als Bibliothekar mit einem geringen Etat? Warten, bis das Hörbuch günstiger ist? Oder in den sauren Apfel beißen und das Hörbuch anschaffen, dafür verzichtet man auf andere Titel, die genauso interessant sind für die Leser? Dafür erzielt man mit diesem einen Titel vermutlich hohe Ausleihzahlen usw. Es gibt also ganz unterschiedliche Überlegungen und Strategien!
Wo wenig Etat vorhanden ist, da sind in der Regel auch wenig Hörbücher vorhanden. Große Stadtbibliotheken können ihren Hörbuchbestand meistens besser ausbauen als kleine Dorfbüchereien (oft ehrenamtlich geleitet!), die mit viel Jonglieren geradeso ihren Buchbestand auf dem Laufenden halten und dann immer noch gerne Spenden annehmen.
Hörbücher werden in der Regel über die ekz oder beim Buchhändler bestellt. Mir ist keine Bibliothek bekannt, die ihre Hörbücher über Amazon bestellt, auch wenn diese dort oft unschlagbar günstig sind. Das hat einerseits mit der Bezahlung zu tun (eine Bibliothek kauft nur auf Rechnung), andererseits ist das Bestellen von Büchern usw. ein Politikum, denn man hat eine gewisse Pflicht, den lokalen Buchhandel zu stärken usw.
Auf ein recht positives Praxisbeispiel kann ich noch hinweisen: die Onleihe. Einige Bibliotheken bieten ihren Nutzern die Möglichkeit an, mit gültigem Leseausweis Hörbücher und andere Medien vom heimischen PC aus online herunterzuladen, d.h. für einen gewissen Zeitraum “auszuleihen”. Nach einer bestimmten Frist laufen die Dateien ab und sind damit unbenutzbar. Und das ohne Mehrkosten, sieht man von den Internetgebühren ab. Dieses Modell ist in den einschlägigen bibliothekarischen Weblogs und Mailinglisten sehr kritisch diskutiert worden. Ich finde es dennoch positiv, denn es stellt immerhin einen Anfang dar. Danach gilt es, das Angebot weiter auszubauen und vor allem technisch zu verbessern. Hörbücher sind längst keine Nischenprodukte mehr!
Und nun warte ich darauf, dass sich in den Kommentaren weitere (bibliothekarische) Fachkräfte zu Wort melden, die aus ihrer Berufspraxis berichten können. Ich freue mich darauf!
Comments
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Da kann ich nur völlig zustimmen.
Hörbücher sind wesentlich teurer als Kassetten, halten in der Regel aber auch deutlich länger. Ist der Anschaffungsetat kanpp, und wo ist er das nicht, können Kassettennicht einfach aus demProgramm genommen werden, sondern werden nur dann duch CDs ersetzt, wenn sie verschlissen sind.
Übrigens gibt es sogenannte “Schnupperzugänge”, mit denen man die Angebote kostenlos eine Woche lang ausprobieren kann, auch ohne Kunde zu sein, z.B. in Hamburg oder Würzburg.
Zu finden jeweils unter bibliothek-digital.de/Stadtname und dann im Hilfe-Bereich.
Am besten vorher den Punkt “Medien” durchlesen, da steht, welche Formate angeboten werden und was man an Programmen braucht.
Cool! Wieder etwas dazu gelernt.
[...] Ergänzung zu meinem Blogartikel “Hörbuchbestände in Bibliotheken” möchte ich noch auf den Beitrag des Deutschlandfunks zum Thema Onleihe [...]